Nur Hayat Altun (stellv. Vorsitzende der HADEP)

An die TeilnehmerInnen des 9. Internationalen Friedensfestivals

Wir begrüßen das von Euch in einer Zeit, in der sich die Menschheit am meisten nach Frieden sehnt, organisierte Festival mit dem Glauben, dass dieses Festival einen großen Beitrag zum Frieden leisten wird. Die Machthaber in der Türkei verschließen sich vor den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und beharren am Status quo. Sie sind der Auffassung "Ich werde mich nicht ändern, die Welt soll sich nach mir richten". Die geringste Veränderung wird als Bedrohung der nationalen Sicherheit angesehen .Die Phobie vor Teilung, Aufsplittung und Zusammenbruch hat alle Zelle ergriffen. Es wird versucht, diese Phobie in der gesamten Gesellschaft auszubreiten. Jedoch denken wir, dass ein Problem der Teilung, der Aufsplitterung und des Zusammenbruchs für die Türkei nicht besteht. Die vom Krieg und vom jetzigen politischen Statut profitierenden Menschen, diejenigen, die sich vor Frieden, Demokratie und Menschen- sowie Freiheitsrechten fürchten, sind um ihren Profit besorgt.

Heutzutage gibt es nur einen Weg für die Sicherung der nationalen Sicherheit und der nationalen Interessen. Dieser Weg führt über die Weiterentwicklung von Demokratie und Freiheit; die Offenheit gegenüber dem Dialog; die Anerkennung der Verschiedenheiten/Unterschiede und der Versuch der Menschen sich gegenseitig zu verstehen. Ansonsten kann die nationale Sicherheit durch Beharrung auf einer Politik der Verbote und der Verleugnung nicht geschaffen werden.

Wir als Partei wollten heute eine Demonstration nach Ankara durchführen, um den Friedenswünschen aus allen Gebieten der Türkei Ausdruck zu verleihen. Damit wollten wir erneut eine Brücke des Friedens zwischen den Völkern errichten. Wir wollten den sich entwickelnden Friedensprozess in einen bleibenden Frieden umwandeln. Jedoch hat sich die Politik der Verbote und der Verleugnung erneut durchgesetzt und die Demonstration wurde verboten. Die Begründung für das Verbot ist lächerlich: "Verursacher für die Störung der öffentlichen Ordnung". Jedoch wird diese öffentliche Ordnung durch eine Politik der Verbote gestört; durch Vertreter der Oligarchie, die sich fürchten vor Forderungen nach Frieden und Freiheit; Menschen, die vehement der Zivilisierung, der Modernisierung und der Weiterentwicklung entgegenstehen.

Frieden fordern zivilisierte Menschen; diesen werden Sie mit ihrem für dieses Ziel geführten Kampf erreichen. Auch diesmal werden die vom Krieg Profitierenden wieder versuchen, diesen Kampf zu verhindern. Wenn jedoch die Friedensaktivisten auf ihrem Kampf beruhen und noch mutiger auftreten, dann werden sie gegen die Kriegsprofiteure siegen. Diejenigen, die sich für Frieden und Demokratie einsetzen sind immer in der Überzahl. Warum dauert dann der Krieg noch an. Wie kann es sein, dass eine handvoll Menschen Millionen einem erbarmungslosen Krieg aussetzen kann und die Werte der Menschheit derart verletzen kann? Es ist eindeutig, dass die Arbeit von uns Friedensaktivisten nicht ausreicht, um Kriege zu verhindern. Deshalb sind stärkere Bemühungen und ein noch größerer Einsatz notwendig.

Heute stehen die Chancen für einen Frieden besser als je zuvor. Nach einem langjährigen Krieg wird seit mehr als zwei Jahren - wenn auch nur einseitig - Bestrebungen an den Tag gelegt, um einen dauerhaften Frieden zu entwickeln. Aber aufgrund der starren Verleugnungs- und Verbotsmentalität des Staates ist die erneute Entfachung eines Krieges nicht ausgeschlossen. Das wird eine Katastrophe für alle Völker Anatoliens und des Mittleren Ostens sein. Der Krieg nutz in keinste Weise den Kurden, den Türken und anderen Völkern der Region. Im Gegenteil: Es wird zur Folge haben, daß alle Errungenschaften und Werte vernichtet werden. Hass-, Wut- und Feindschaftssamen werden erneut gesäet werden. Wir dürfen den Weg für Einen erneuten Kriegswahnsinn nicht zulassen, zumal die Grundlage für die Schaffung von Frieden, Geschwisterlichkeit und Freundschaft heute stark ist.

Laßt uns deshalb Hand in Hand unseren Kampf gegen den Krieg stärken. Laßt uns ein lebenswertes schönes Leben schaffen! Laßt uns der neuen Generation diese Erbe hinterlassen und gemeinsam Friedens- und Geschwisterlichkeitslieder singen...

In diesem Sinne begrüsse ich Euch erneut mit der Sehnsucht nach Frieden, Geschwisterlichkeit und Freundschaft.

Nurhayat Altun, Stellvertretende Vorsitzende der Demokratische Partei des Volkes (HADEP)

30. 08. 2001